Okuli / 3. Sonntag der Passionszeit (07. März 2021)

Autorin / Autor: Pfarrer Prof. Dr. Klaus Müller, Karlsruhe [klaus.mueller@ekiba.de]

Epheser 5, 1-9

IntentionJesus Christus ist das Licht der Welt. Er macht Christen zu Erleuchteten, die die Welt heller machen können.

5,1 So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder 2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, 4 auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.


Liebe Gemeinde!
Der das Licht der Welt ist, nimmt die Gemeinschaft der Erleuchteten in Dienst, damit es hell werde auf Erden.
Der das Licht der Welt ist, macht uns zu Lichtträgern in einer Welt, die auf Licht wartet zum Leben.

In dieser Bildersprache, in dieser Symbolik von Licht und Finsternis ergeht heute die frohe Botschaft nach den Worten des Epheserbriefes.
Bleiben wir miteinander an dieser Bildersprache, lassen wir unser Herz und unseren Verstand erleuchten von dieser Symbolik: Was könnte Gottes Nähe und Liebe besser beschreiben als das Wort „Licht“?! Was trifft das Wesen der Sünde, der Unzulänglichkeit genauer als das Wort „Finsternis“?! Was beschreibt das neue Leben mit Christus besser als diese bildhafte Rede: Vormals waren wir Finsternis, jetzt aber sind wir Licht in dem Herrn?!

Gehen Sie mit mir, liebe Gemeinde, lassen wir uns in 3 Schritten diese Bildersprache nahe kommen:

1. Sehen wir zu, wie Christus, das Licht der Welt, aus finsteren Gesellen Lichtträger macht;
2. Lassen wir uns vom biblischen Wort sagen, was dieses Licht bewirkt und hervorbringt, also was die Früchte des Lichtes sind;
3. Lasst uns aufstehen miteinander, das Dunkle hinter uns lassen und dem Licht der neuen Welt Gottes entgegengehen.

Das Licht der Welt macht Menschen zu LichtträgernSie kennen die Worte Jesu, die wir zusammenzuhalten haben, um recht zu verstehen:
„Ich bin das Licht der Welt“, sagt der Gottgesandte von sich, „wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12).
Und an anderer Stelle, auch im Johannesevangelium, sagt Jesus: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (9,5).
Und denen, die von ihm gesandt seinen Weg zu dem ihren machen, spricht er zu: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein“ (Mt 5,14).

Das ist der Ausgangspunkt, das steht sozusagen unserem Abschnitt aus dem Epheserbrief voran, das Entscheidende an der ganzen Bildersprache vom Licht: Christus, der Sohn, der vom Glanz Gottes Gekrönte auf dem Berg der Verklärung, schließt das Licht nicht in seinem Inneren ein, behält es nicht für sich, sondern hält es bereit und lässt es ausströmen auf alle diejenigen, die sich in seinen Lichtkreis stellen. „Ich bin das Licht der Welt - und ihr seid es auch in mir und durch mich!“ Was er ist, sind wir dann auch - durch ihn, durch Christus sind wir, was wir sind.

Er ist der Erstling, sagt die Schrift, der Erste in der großen Schar derer, die ihm nachfolgen.
Er ist der Erstling derer, die das Osterlicht sehen, die im dunklen Grab das helle Licht des Lebens sehen und finden. „Ja, ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Das gilt auch für euch: „Ihr wart vormals Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn!“ – „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“

Er ist der Erstling, der verlorene Sohn in der Tiefe, in der Dunkelheit - ohne eigene Schuld, ohne eigene Sünde, sondern mit der fremden beladen - der erste, den die liebenden Arme und das helle Gesicht des Vaters wieder aufnehmen - der Erstling in der großen Schar der verlorenen Söhne und Töchter, die jetzt Kinder des Lichts, Gotteskinder heißen und es auch sind. Ja, „ihr wart vormals Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn!“

Er ist der Erstling der seufzenden Kreatur, die unter dunklen Wolken leidet am Kreuz der Welt, der die Helligkeit und Klarheit der neuen Welt Gottes gesehen hat - ja, auch „ihr wart vormals Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn!“

So ist er in jeder Beziehung der Erste, Christus, das Licht der Welt, aber will nirgendwo der Einzige bleiben. So will er, die Quelle des Lichts, aus finsteren Gesellen Lichtträger machen. Ja, ihr wart vormals Finsternis - das ist Vergangenheit -, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn! Das ist die Gegenwart. Das Evangelium reinigt, klärt und erhellt die dunkle Vergangenheit zu einer neuen Gegenwart, die auf eine Zukunft im Lichte des Gottesreiches zugeht.

Und für diese lichtvolle Zukunft nimmt der Apostel seine Hörer und Leser, die von Christus geschenkten Lichtträger, in die Pflicht:

Christus nimmt die Lichtträger in die Pflicht„Wandelt wie die Kinder des Lichtes“ - und das ist das zweite – lebt das, was ihr seid: Kinder des Lichtes! „Die Frucht des Lichtes ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“

Das soll ja nicht auseinanderfallen, sondern zur Deckung kommen und sich entsprechen: was wir in den Augen Gottes sind und was wir vor den Augen der Menschen tun, wie wir handeln und wandeln.
„Wandelt als die Kinder des Lichtes“, immer wieder wird das eingeschärft: „wandelt würdig eurer Berufung, wandelt dem entsprechend, was Gott an euch getan hat.“ Christsein ist nicht ein Gedankengebäude am Schreibtisch entworfen, sondern Wandel, Lebenswandel im Lichte Gottes - Christus ist ja auch nicht der Erstling dadurch, dass er sich Gedanken, sondern dass er einen Weg macht! Luther konnte in seiner derben Direktheit sagen: „Das muss eine Kuh merken, ob eine gläubige Magd im Stall ist!“ „Lebt, wandelt wie die Kinder des Lichtes!“

Und der Apostel gibt Orientierung, nennt Zeichen und Früchte eines rechten Wandels im Licht - und wo könnten die Kinder des Lichtes anders lernen als in der Schule dessen, der das Licht der Welt ist?!

Güte nennt er, angeeignet in der Schule dessen, der die Güte in Person ist. Güte passt zum Licht, weil das Licht allen gut tut. Gottes helle, wärmende Sonne scheint über Gute und Böse, konnte Jesus sagen und hat das auch ernst genommen. Er hat aus dieser schlichten Wahrheit das Gebot der Liebe auch zum Feind begründet, die Bereitschaft zur Versöhnung auch mit dem vermeintlich Bösen.

Gerechtigkeit ist eine zweite Frucht des Lichtes, angeeignet in der Schule dessen, der die Gerechtigkeit Gottes in Person ist. Gerechtigkeit heißt hier, den anderen Menschen sehen wie er in den Augen Gottes dasteht; wie die hellen, von Gott erleuchteten Augen Christi den Menschen gesehen haben: die Ehebrecherin mit ihrer Schuld und die Ankläger mit den Steinen in der Faust - und dann haben die klaren Augen Jesu weitergesehen über den ersten Eindruck hinaus und haben erkannt, dass sich kein Sündloser finden würde, um den ersten Stein zu werfen. So haben die Augen des Erleuchteten Recht gesprochen und alle auf den rechten Weg gewiesen.

Wahrheit nennt der Apostel als dritte Frucht des Lichtes, angeeignet in der Schule dessen, der die Wahrheit in Person ist. Wahrheit ist in der Bibel, was Bestand hat vor Gott, was morgen und übermorgen auch noch gilt und nicht im Strom der Zeit und des Vergessens untergeht. Ein Leben wird wahr, wenn die Augen und das Herz aufgehen für Gottes Zusage, die heute stimmt und morgen auch noch:
„Du bist mein liebes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen“; ich habe deinen Namen aufgeschrieben im Himmel - und dort wird ein Leben wahr, wo Gottes gute Gebote als leuchtende Wegmarkierungen für heute und für das Morgen den Wandel bestimmen.

So Erleuchtete haben sie nicht mehr nötig, die Lebenslüge, die Scheinwelt, die aufgebaut wird, um in ihr etwas zu gelten und zu scheinen. Im Lichte Gottes lernt das Leben Offenheit und Ehrlichkeit. Wo könnten wir in Wahrheit mehr gelten als in Gottes Augen?!

Lichtträger wenden sich ab von der DunkelheitUnd zum Schluss: dem Licht nachfolgen heißt nun aber auch entschlossen dem Dunkel den Rücken zu kehren. „So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder“, sagt der Apostel. Seid Nachahmerinnen und Nachahmer Gottes. Welch ein Anspruch, welch ein Vertrauensvorschuss! „Und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.“ Und dabei soll alles draußen bleiben, was die lichtvolle Beziehung zwischen Menschen und zu Gott stört und kaputt macht: „Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein.“ All das wäre Götzendienst, sagt der Apostel, Dienst am Düsteren und derer nicht würdig, die das Licht tragen.

Wir sind schon Kinder des Lichtes, wie könnte da das Tote, das Dunkle und Vergängliche noch unser Zuhause sein?
So können wir Schritte tun: Die Kinder des Lichtes haben das Licht der Welt zum Freunde und wiederum lauter Licht als Ziel ihrer Wege. Amen.

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