6. Sonntag nach Trinitatis (24. Juli 2022)

Autorin / Autor:
Pfarrer Dr. Dieter Koch, Korb [Dieter.Koch@elkw.de]

Römer 6, 3-8

IntentionDer Predigttext handelt von der Taufe. Im Anschluss daran soll diese Taufansprache zeigen, wie heute der Zusammenhang von Taufe und neuem Leben aussehen kann. Wird im Gottesdienst nicht getauft, kann sie entsprechend angepasst werden.

6, 3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.5Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. 6Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden

Liebe Familien, liebe Gemeinde,
wir feiern das Leben. Wir sind erfüllt von tiefem Dank für das Leben der Kinder. Heute empfangen sie das Sakrament der Taufe. Wasser fließt und der Gottesname wird über ihren Kindern ausgerufen. Wir spüren das Geheimnis der Schöpfung. Gott gibt Leben. Gott segnet unser Leben. Wohin wird es führen? Wohinaus wird Er es führen?

In dieser Stunde der Freude, in dieser Stunde des Glücks, ahnen wir auch: Nicht immer wird es leicht sein, auch für ihre Kinder wird es nicht immer licht und leicht sein. Ihr wie unser Leben ist bedroht und bleibt bedroht. Gefahren lauern am Wegrand, das Böse ist stark. Betrug und Intrige regieren allzu oft die Welt. Krankheiten brechen auf und Seelen lassen sich leicht, sehr leicht brechen. Von ganzem Herzen bitten wir: Lieber Gott, gib, dass sie behütet bleiben!

Wir vertrauen JesusSuchen wir darum nicht Gott, verlangen wir darum nicht nach seinem Zeichen? Die Taufe ist sein Zeichen. Die Taufe verspricht: Du bist, du bleibst Gottes Kind. Was dich mit allen Menschen des Glaubens verbindet, ist, dass, wir Jesus Christus vertrauen dürfen, gleich ob im Lachen oder im Weinen, im Glück wie im Schmerz,

Warum gerade ihm vertrauen? Nun, weil hier gilt, wie es in dem Lied, das wir gesungen haben, heißt: „Du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt; du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein!“ Das Zeichen des Kreuzes erinnert daran. Das Zeichen des Kreuzes steht für alles, was uns Jesus gab. In ihm sammelt sich seine ganze Botschaft, seine ganze Hingabe bis hinein in seinen Tod.

Wir glauben mit ihmNach den Worten „Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, zeichne ich ihren Kindern das Kreuzzeichen auf die Stirn. Es ist ihr Königszeichen. Was aus der Taufe gekrochen ist, ist König, lehrte Martin Luther immer und immer wieder. Ihr seid Königen gleich in die Freiheit gesetzt. Ihr seid niemandem untertan. Ihr seid nicht länger Knechte der Angst, nicht hilflos der Gewalt ausgeliefert!

Ihr seid frei zu lieben, zu hoffen, zu vertrauen. Ihr seid einander anvertraut. Tretet füreinander ein vor Gott im Gebet! Hütet einander wie einen Augapfel und gönnt einander das Glück der Tage! Doch warum steht gerade dafür das Zeichen des Kreuzes? Es nimmt uns hinein in die Sterbestunde Jesu. Jesus stellte sich hinein in das Wüten der Welt. Er stellte sich dem bösen Geflecht aus Zorn, Gier, Hass und Streit, um uns von ihren Fesseln zu lösen.

Er gab sein Leben für uns hinEr blieb in tiefer Liebe Gott und den Menschen treu, auch wo es ihn das Leben kostete. Er ließ sich zum Opfer machen, damit es vorbei sei mit dem Geist, der andere opfern lässt. Er litt tiefsten Schmerz, verflucht von den Menschen, einsam vor Gott, damit wir frei werden von dem, was uns quält. Er starb für uns, doch Gott erhob ihn in das nie mehr endende Leben. Dafür steht das Zeichen des Kreuzes.

Manchmal rühren wir mitten im Leben an dieses Geheimnis. Manchmal werden wir durch ein tiefes Tal geführt. Es ist, als würden wir sterben, als müssten wir alles losgeben. Doch wenn dann das Licht wieder kommt, es neu und so anders als vorher Tag wird in meinem Leben, dann weiß ich: Ich lebe, ich darf leben! Ich liebe, ich darf lieben! Gottes Lebensgeist durchströmt neu meine Adern. Alles Falsche ist überwunden. Ich atme frei.

Manchmal ist es, als müssten wir sterben, um leben zu könnenIch will Ihnen von Rebecca erzählen: Jahrzehntelang hatten körperliche Merkmale und soziale Normen sie in ein Frauenleben gezwängt. Doch ihre Seele war die eines Mannes. Erst nach einem Läuterungsbad der besonderen Art gingen ihr die Türen in die Freiheit auf. Erst musste alles Erlernte sterben, erst musste die alte Welt zerschellen, bis sie als er zu sich fand. Jetzt darf er leben mit vollen Rechten, Daniel.
Wie aus Rebecca Daniel wurde, so wurde aus Mercedes ein neuer Mensch: Joanne. Es war beim Ansetzen des zahnärztlichen Bohrers, als mitten im Aufschrei des körperlichen Schmerzes ihr innerer seelischer Schmerz mehr noch aufging und sich vieles zu lösen begann. Eine Welt der Demütigungen, kleiner und großer Misshandlungen, zerfiel zu Staub, als sie aus unergründlichen Quellen herkommend den Ruf hörte: Lebe! Du darfst leben! Leben wie der Vogel im Wind!

Wir sind in Jesu Tod getaucht, damit wir leben in ihmDer dich erschuf, der dich gesandt, der aus dem Tod zum Leben auferstand, der trotz Hass, Gewalt und Menschenlist, dir zum Freund und Bruder worden ist, Gott in Jesus Christus, der sagt Ja zu Dir. Sein Ja ist Zuspruch in der Not, Wegzehrung, Zeichen, Wort und Ruf. (im Anschluss an das Tauflied von Okko Herlyn; Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder plus Nr. 158).“Die wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, werden ihm auch in der Auferstehung gleich sein“ (Römer 6,5).

Wer getauft ist, gehört allein dem, der den Schmerz dieser Welt annahm. Eine neue Sicht ist möglich, ein anderer Wandel, ein zweites Leben. Weder Hierarchie noch Unterwerfung, sondern geschwisterliche Gemeinschaft zählen nun. Wir bleiben auch als Getaufte zerbrechlich, aber wir sind mit Christus verbunden.
Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.
Deshalb beten wir für diese Kinder und für alle Getauften:
Gott, der du durch die Taufe jetzt im Glauben einen Anfang setzt, gib auch den Mut zum nächsten Schritt. Zeig uns den Weg und geh ihn mit.
Amen.

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