Pfarrerin / Studienrätin Stephanie Kscheschinski, Lörrach [stephanieloeffler@t-online.de]
Lukas 16,1–8(9)
IntentionEs kann sehr zukunftsweisend sein, mit den vorhandenen Ressourcen gut umzugehen und beherzt ins Handeln zu kommen. Aus dem zu leben und zu geben, was für uns verfügbar ist und daran zu glauben, dass Gott aus allem Gutes entstehen lassen kann und will (siehe Glaubensbekenntnis von D. Bonhoeffer).
PredigttextEr sprach aber zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz.
Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
Da sprach der Verwalter bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
Der sprach: Hundert Fass Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.
Danach sprach er zu dem zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
(Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.)
Liebe Gemeinde!
Wir hören heute auf ein Gleichnis, das uns Lukas überliefert und das als das schwierigste Gleichnis gilt. Schwierig, weil man auf den ersten Blick nicht so recht weiß, wie man das verstehen soll, was uns da erzählt wird. Und dann trägt es in unserer Lutherbibel auch noch die Überschrift: Vom ungerechten Verwalter. Warum ist er denn ungerecht?
Wir gehen die Sache systematisch an. Wir beginnen ganz vorne.
Was ist mit „reicher Mann“ gemeint, und welche Befugnisse hat ein Verwalter?Es ist von einem reichen Mann die Rede, der sich einen Verwalter eingestellt hat. Der reiche Mann ist ein Gutsbesitzer, der in Palästina eine größere Landdomäne besitzt und diese vermutlich in einzelnen Grundstücken verpachtet. Er selbst wird nicht immer vor Ort gewesen sein. Sicherlich war er auch auf Reisen, um Geschäfte zu treiben. Deswegen hat er sich einen Verwalter eingestellt. Dieser soll sich um seine Ländereien kümmern, die Pächter betreuen und die Pachtzinsen eintreiben. Der Verwalter war sehr selbständig in seinem Arbeitsumfeld und mächtig. Er musste unternehmerische Entscheidungen treffen. Und so war es durchaus üblich, dass der Pachtzins nicht nur in Geldbeträgen entrichtet wurde, sondern auch in Naturalien bezahlt werden konnte: hundert Fass Öl, hundert Sack Weizen.
Wenn die Ernten gut ausfielen, dann konnten die Pächter den Pachtzins an den Verwalter zahlen, wie es vereinbart war. Wenn aber zum Beispiel eine Missernte dem Pächter Verluste brachte und er den Pachtzins weder mit Geld noch mit Naturalien bezahlen konnte, dann konnte er nur Schulden machen. Dann stand diese Schuld zwischen dem Pächter und dem Verwalter. Und nun war es eine Frage der Unternehmenskultur, wie wir heute sagen, wie der Verwalter mit diesen Außenständen umging. Denn er war mit allen Vollmachten ausgestattet.
Wie lautet die Anklage?Dem reichen Mann, dem Gutsbesitzer, kommt gerüchteweise zu Ohren, sein Verwalter würde seinen Besitz verschleudern. Wir erfahren nichts Genaues. Weder, wer diese Anschuldigung vorbringt, noch, um was für ein Verschleudern es sich handeln soll.
Der reiche Mann ruft aber auf Grund dieser Anschuldigungen seinen Verwalter zu sich und fordert ihn auf, Rechenschaft über seine Verwaltungstätigkeit abzulegen. Er droht ihm, dass er zukünftig nicht mehr Verwalter sein wird und seinen Arbeitsplatz verlieren wird.
Das muss ein ziemlicher Schock für den Verwalter gewesen sein. Den Arbeitsplatz zu verlieren ist für jeden Menschen, der davon betroffen ist, eine bitter ernste Angelegenheit. Was wird aus mir? Wie geht es weiter? Finde ich eine neue Stelle? Arbeitslosenunterstützung gab es in der damaligen Welt nicht. Wer nicht selbst für sein Auskommen arbeiten und Geld verdienen konnte, der war arm. Angewiesen auf die Almosen anderer. Das weiß der Verwalter.
Die Reaktion des Verwalters auf die AnklageDeswegen geht er in sich und sagt zu sich selbst: „Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.“ Wir sehen also ganz klar, dass der Verwalter Angst um seine Existenz hat. Auch das kennen viele von uns. In der Firma fallen Jobs weg wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage. Oder die KI wird immer mehr Arbeiten übernehmen, die bisher noch von Menschen erledigt werden. Was wird dann aus uns?
Der Verwalter jammert nicht lange rum. Er beklagt nicht ausufernd seine bitteren Zukunftsaussichten. Er tut etwas. Er denkt nach. Er sorgt aktiv für seine eigene Zukunft vor, die sehr unsicher werden kann, wenn der Herr ihm das Amt des Verwalters entzieht.
Der Verwalter ruft die Schuldner seines Herrn einzeln zu sich und erkundigt sich nach deren Schuldenstand. Dann entlastet er die Schuldner, indem er sie anweist, den Schuldenstand zu reduzieren: Aus hundert Fass Öl werden 50, aus hundert Sack Weizen werden achtzig. Noch ist er Verwalter. Noch hat er die Macht, die Schulden zu ermäßigen. Ist das Betrug? Ist das dem Gutsherrn gegenüber ungerecht, wie die Überschrift „Vom ungerechten Verwalter“ uns einflößen will?
Oder ist es nicht vielmehr ein kluger Schachzug des Verwalters? Er greift auf die Ressourcen zurück, die ihm zur Verfügung stehen. Und dabei ist es ihm egal, ob es seine eigenen Ressourcen sind oder die ihm überlassenen Ressourcen. Er entscheidet sich dafür, den Schuldnern Schulden zu erlassen, damit er im schlechtesten Fall mit ihrer Barmherzigkeit rechnen kann. Er hofft, dass sie ihn aufnehmen, falls er sein Amt verliert und arbeitslos wird. Er hofft, dass sie ihn unterstützen und ihm helfen, so wie er jetzt ihnen hilft durch das Erlassen von Schulden. Er hofft darauf. Er weiß nicht mit Sicherheit, ob er auf ihre Barmherzigkeit zählen kann.
Der Verwalter hätte auch ganz anders reagieren können. Er hätte den Druck, den der Herr auf ihn ausübt, weitergeben können. Er hätte die Pächter so unter Druck setzen können, die Schulden sofort zu begleichen, dass diese in ihrer Existenz bedroht gewesen wären. Dann hätte er von dem Gezahlten etwas für sich abzweigen können und es sich in die eigene Tasche stecken können. So hätte er sich selbst auch retten können.
Aber all das tut er nicht.
Für mich ist der Verwalter nicht ungerecht.
Er ist klug, entschlossen und sucht zügig nach einer Lösung.
Am Anfang der Geschichte wird der Verwalter durch die Gerüchte so dargestellt, dass man dazu neigt, ihm zu misstrauen. Aber jetzt stellt er sich als sehr vertrauensselig heraus, indem er auf die Barmherzigkeit der Schuldner baut. Der erste Eindruck vom Verwalter wandelt sich.
Warum lobt der Herr den Verwalter?Auch der Herr, der Gutsherr, macht eine Wandlung durch. Am Anfang ruft er seinen Verwalter zu sich, weil ihm gerüchteweise zugetragen worden ist, dieser würde seinen Besitz verschleudern. Jetzt, am Ende der Geschichte lobt der Herr die Klugheit seines Verwalters.
Er erkennt, dass sein Verwalter einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen hat. Er nimmt wahr, dass sein Verwalter durch sein Handeln Barmherzigkeit und Teilen in den Vordergrund stellt, um damit bleibende Werte und Freundschaften zu schaffen. Und die zählen mehr als Geld und Materielles.
Dann setzt der Herr noch eins drauf und sagt: „Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.“
Die Kinder des Lichts sind die, die im Lichte Gottes leben. Die Kinder dieser Welt sind die Menschen, die nach weltlichen Maßstäben und Prinzipien leben.
Von den Kindern dieser Welt kann man aber lernen, auch angesichts der Endlichkeit des menschlichen Lebens, dass man die Lage realistisch erkennen muss. So wie es der Verwalter getan hat. Und man kann von den Kindern dieser Welt lernen, dass es sehr oft richtig ist, zielgerichtet, zügig und entschlossen zu handeln. So, wie es der Verwalter getan hat.
Warum erzählt Jesus dieses Gleichnis seinen Jüngern?Jesus erzählt Gleichnisse, um den Hörenden, den Jüngerinnen und Jüngern, vom nahen Reich Gottes zu erzählen. Wir alle sollen uns darauf einstellen, dass das Reich Gottes nahe ist. Wir gehen auf das Ende des Kirchenjahres zu und bedenken damit auch unsere eigene Endlichkeit. Das Sammeln von Reichtümern bringt uns nicht in Gottes Reich. Aber das gute, soziale Handeln durchaus. Wir können also für uns selbst aus diesem Gleichnis mitnehmen, dass es klug ist, aus dem zu leben und zu geben, was für uns verfügbar ist.
Und wir können lernen, dass Gott aus allem Gutes entstehen lassen kann und will.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
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