1. Sonntag nach Epiphanias (07. Januar 2018)

Autor/in: Dekan Hans Stiegler, Ansbach [hans.stiegler@elkb.de]

1. Korinther 1, 26 -31

Liebe Gemeinde!
Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie von den Worten eines anderen völlig vor den Kopf gestoßen wurden? Vielleicht sogar im Blick auf Ihren Glauben? Sie waren froh und ein bisschen stolz auf das, was Sie in Ihrem eigenen Leben erreicht haben oder miteinander in Ihrer Gemeinde? Und dann kommt jemand und stellt das alles in Frage.
Vor Gott kann sich keiner rühmen
Falls Sie so etwas kennen, verstehen Sie vermutlich die Mitglieder der jungen Christengemeinde in Korinth. Es war noch keine fünf Jahre her, dass Paulus im Jahr 51 nach Christi Geburt durch seine missionarische Predigt die Gemeinde gegründet hatte. Über ein Jahr hatte er in der damals blühenden Hafenstadt an der Meerenge von Korinth gelebt und gepredigt. Und jetzt, fünf Jahre danach, schreibt und ermahnt er mit deutlichen Worten, dass keiner sich rühmen oder sich großmachen soll.
Was er da schreibt und wie er es tut, zeugt nicht gerade von großem Fingerspitzengefühl im Umgang mit den jungen Christen in Korinth. Hat Paulus vergessen, dass die junge Gemeinde nur eine kleine Minderheit in der großen Weltstadt ist? Hat er übersehen, wie hart sie um ihre Existenz ringen und manchmal bangen mussten?
Erwartet hätte man aufbauende, seelsorgerlich einfühlsame Sätze. Worte, die Mut machen zum Glauben in einer heidnischen Umwelt. Auch Hinweise auf gelungene Entwicklungen hätten gutgetan. Manche gesellschaftlichen Schichten erkannten nämlich mittlerweile, wie positiv die Christen mit ihrem in der Liebe tätigen Glauben im gesellschaftlichen Leben wirken.

Gott baut sein Reich mit den SchwachenWas aber macht Paulus? Er erinnert die Gemeinde an ihre Armseligkeit und Armut, aus der sie kamen. Er malt vor Augen, dass Christen einfache Menschen sind mit wenig Macht und Einfluss in der Welt. Er betont: Gott baut nicht auf die Starken und anscheinend Mächtigen. Er hat ein Herz für die kleinen Leute.

Paulus schreibt das nicht, um vor den Kopf zu stoßen oder zu entmutigen. Er hebt eine wichtige geistliche Tatsache hervor: Wenn wir uns am Evangelium und Leben von Jesus Christus orientieren, wird immer deutlich, dass es um die einfache Botschaft der Liebe Gottes geht. Das ist keine hohe philosophische Lehre für rein intellektuell Interessierte! Das ist keine Religion, die durch Macht und Stärke imponieren will! Paulus erinnert daran, dass Gott durch das augenscheinlich Schwache vor der Welt sein Reich baut! Er wendet sich an jene, die oft keine großen und tollen Referenzen vorzuweisen haben. Er spricht die an, die ein offenes Herz für das Evangelium haben und denen keine Karriereleiter offensteht.

Diese Wahrheit dürfen wir auch in unseren Tagen nicht vergessen oder übersehen, wenn wir über uns, unsere Gemeinden und unsere Kirche nachdenken. Es geht nie darum, ganz oben in der Gesellschaft zu landen! Ziel kann nie sein, Macht oder Einfluss zu erhalten, um sich groß zu machen oder groß zu werden. Entscheidend sind nicht die Netzwerke oder Beziehungen zu den Wichtigen und Großen dieser Welt, die uns Anerkennung und scheinbaren Wert bringen! Zentral ist und bleibt allein, dass wir in Beziehung zum Herrn der Kirche, zu Jesus Christus stehen. Martin Luther hat es uns ins Stammbuch geschrieben mit seinem „solus Christus“, Christus allein – das genügt!

Das Kreuz in der MitteDiese Erkenntnis und Grundhaltung steht nach heutigem Denken gegen den sogenannten Mainstream der Gesellschaft. Gegenwärtig orientiert sich alles Streben und Denken vieler Menschen in Richtung größer, klüger, besser, einflussreicher und mächtiger.
Doch im Reich Gottes kehrt ER die Maßstäbe um. Gott erwählt sich das Unedle vor der Welt, um seine Pläne zu verwirklichen. Er setzt in den Mittelpunkt des Lebens und Denkens der korinthischen Gemeinde und der Kirche bis heute das Kreuz mit dem gekreuzigten Christus. Der bietet dort wahrlich keinen attraktiven Anblick. Dieses Kreuz mit Jesus Christus war und ist das Logo, das Markenzeichen der Kirche und unseres persönlichen Glaubens. Paulus wollte, dass die Korinther sich immer wieder neu auf diesen Kern des christlichen Glaubens besinnen. Es tut auch uns gut, wenn wir diesen Gedanken folgen.

Alles von Christus erwartenVon diesem Jesus dürfen wir alles erwarten, was wir zum Leben und Glauben brauchen:
ER ist uns von Gott zur Weisheit gemacht! Erfüllung im Leben findet unser Herz nicht in den zahllosen Angeboten, die uns täglich in der Werbung oder auf Hochglanzbroschüren ins Haus flattern. Klug ist der, der sich nach den Maßstäben Gottes richtet. In den Zehn Geboten sind sie lebens- und alltagsnah beschrieben!

Durch diesen Jesus muss keiner von uns perfekt sein. Es ist ohnehin unmöglich. Aber durch die von Jesus geschenkte Gerechtigkeit gibt es keine Schuld, keine Sünde, die uns von Gott trennt! Immer wieder dürfen wir um Vergebung bitten. Immer wieder dürfen wir aufstehen und jeden Morgen neu mit Gottes Barmherzigkeit rechnen!

Ja, durch die Kraft Jesu, die gerade in den Schwachen kräftig und mächtig ist, können wir unseren Alltag immer deutlicher nach dem Willen Gottes ausrichten. Das wird sich zeigen in tätiger Nächstenliebe. Auch im reichen Deutschland sind immer mehr Menschen darauf angewiesen.

Und schließlich haben wir durch Jesus Christus auch die Antwort auf die letzte aller Fragen. Sie überfällt uns spätestens dann, wenn wir einmal von dieser Welt Abschied nehmen müssen. Jesus hat uns in das neue Leben hinein erlöst durch seinen Tod am Kreuz! Der Tod hat nicht die letzte Macht über uns.

Wer sich rühmt, der rühme sich des HerrnDarum ist es gut, zu beherzigen, was Paulus am Ende dieser wenigen Sätze an seine Gemeinde in Korinth noch einmal auf den Punkt bringt: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!“ Ja, um ihn – den Herrn Jesus Christus – geht es im eigenen Glauben. Um ihn geht es auch im Leben der Gemeinde und der Kirche! Das sollten wir alle nie vergessen!
Amen.

Predigt zum Herunterladen: Download starten (PDF-Format)