17. Sonntag nach Trinitatis (27. September 2026)
Matthäus 15,21-28
IntentionDie Predigt soll die Universalität zeigen, die Jesus in die Welt bringt. Er ist für alle Menschen gekommen. Er macht keine Unterschiede. Er rettet. Zudem soll sie an Luther reformatorische Grundsätze erinnern, weil sie uns heute mit den Geschichten des Evangeliums verbinden.
PredigttextUnd Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Liebe Gemeinde,
aus meinem Malta-Urlaub habe ich mir eine Jesus-Ikone mitgebracht. Jesus hat ein Lämmchen auf dem Arm und in der Hand einen Hirtenstab. Vor dem goldenen Hintergrund schaut er freundlich. Ein Gebet ist neben ihm zu lesen. Alles in allem ist es etwas kitschig, aber es hat mir sehr gut gefallen.
Ich mag genau das an diesem Bild. Es ist so friedlich, harmonisch, strahlt irgendwie Zufriedenheit und Glückseligkeit aus. Ich mag das, weil das doch oft im Alltag fehlt. Vielleicht ging es dem, der die Ikone gemalt hat, genauso. Jesus wird oft so dargestellt. Harmonie pur. Lächelnd. Mit Heiligenschein. Alles strahlt golden, was ihn umgibt.
In vielen biblischen Erzählungen ist Jesus so wie auf der Ikone dargestellt. Da ist Harmonie, Frieden. Leben mit Goldrand. Aber in vielen Erzählungen ist das auch überhaupt nicht so. Da verhält sich Jesus nicht so, dass der Frieden gewahrt wird, dass alles harmonisch ist und dass man die Szene mit einem Goldgrund versehen würde.
Dazu gehört auch der Predigttext für den heutigen Sonntag. Jesus ist hart in seinen Worten und seinem Verhalten. So erzählen wir nicht so gern von ihm. Aber auch das gehört zu ihm und das macht ihn eben auch aus. Er mag Harmonie da, wo sie auch echt ist. Wo anderes nötig ist, da scheut er sich nicht das auch deutlich anzusprechen.
Hören wir auf die Worte aus Matthäus 15, 24: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“
Ein harter Satz, der im ersten Moment so gar nicht zu Jesus passt. Wir stellen ihn uns doch als einen vor, der alle rettet. Und jetzt weist er die Frau ab, die so dringend seine Hilfe sucht. Aber die Frau bleibt hartnäckig. Sie war schon vorher laut, so laut, dass die Jünger Jesus baten, doch zu reagieren. Und sie bleibt laut und sie bleibt dran. Sie weiß, dass sie kein verlorenes Schaf des Hauses Israel ist und deshalb weniger wert. Und so wirft sie sich vor Jesus nieder und bittet ihn weiter. Aber Jesus bleibt hart: „Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“
Er will ihr wirklich nicht zuhören, geschweige denn ihr helfen. Aber sie bleibt dran und sie argumentiert klug: „Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen“. Sie ist nicht mehr wert als ein Hund, der die Brotkrumen, die runterfallen, essen darf. So ordnet sie sich selbst ein. Sie will unbedingt Jesu Hilfe, weil sie überzeugt ist, dass er helfen kann. Und sie tut alles dafür. Macht sich klein, ist demütig, bleibt dran.
Und Jesus reagiert plötzlich. Er erkennt ihren Glauben und erkennt ihn an. Er heilt ihre Tochter. Weil sie hartnäckig geblieben ist und ihm gezeigt hat, dass sie wirklich glaubt, dass er helfen kann.
Vom harten Jesus wird er doch zu dem, den wir kennen und auf den wir so sehr hoffen.
Die kanaanäische Frau gehört nicht zum Volk Israel. Sie ist auf den ersten Blick kein Kind Gottes. Sie steht außerhalb. Hat deshalb keinen Anspruch auf Jesu Nähe, seinen Frieden, seine Zuwendung. Das ist den Jüngern gleich klar und sie wollen auch, dass Jesus sie wegschickt. Das tut Jesus nicht, aber er stellt sie auf die Probe. Ob sie wirklich meint, was sie sagt. Ob sie wirklich erkannt hat, dass er der Herr, der Sohn Davids ist. Und weil sie nicht aufgibt, erkennt er ihren Glauben und heilt ihre Tochter.
Jesus ist, das macht uns diese Geschichte deutlich, nicht nur zum Volk Israel gekommen. Er ist nicht nur gekommen, um die zu retten, die sowieso schon irgendwie dazugehören. Er ist gekommen, um alle zu retten. Wirklich alle. Er ist für alle Menschen auf der ganzen Welt gekommen. Gleich welcher Herkunft. Er ist, und das ist damals wohl das eigentlich Skandalöse, sogar zu einer Frau gekommen, die eigentlich nicht dazu gehört hat. In der Rangliste, die die Jünger innerlich im Kopf haben, da steht sie wahrscheinlich nicht mal auf einer Stufe mit den Haustieren, die so am Tisch ihrer Herren betteln. Als Frau ist sie der Meinung der meisten Menschen damals nicht viel wert und als Kanaanäerin erst recht nicht.
Für Jesus zählt das aber nicht, was die anderen denken. Für ihn zählt allein der Glaube.
Jesus weist die Frau dreimal ab. Aber sie lässt sich nicht abweisen. Sie glaubt an ihn und hält an ihrem Glauben fest. Und dann wird ihr geholfen. Sie weiß und zeigt, dass sie es nicht verdient hat, dass Jesus ihr hilft, aber sie vertraut darauf, dass er gnädig mit ihr ist und das in der Heilung ihrer Tochter zeigt.
Und da sind wir mitten drin in Luthers reformatorischen Grundsätzen, die auch heute noch unseren Glauben zusammenfassen: Allein der Glaube, allein die Gnade, allein Christus und allein die Schrift sind es, die uns retten.
Der Glaube der Frau ist so stark, dass sie dran bleibt, dass sie sich nicht abweisen lässt, obwohl Jesus hart zu ihr ist und ihr deutliche Absagen erteilt.
Allein die Gnade ist es, die sie erbittet, weil sie aus sich selbst heraus nichts tun kann, was sie Jesus näher bringen könnte.
Allein Jesus ist es, von dem sie Rettung erhofft.
Heute erfahren wir all dies aus der Heiligen Schrift. Allein aus ihr können wir Gottes Willen erfahren, können wir aus den Geschichten, die überliefert sind, lernen. Keine Autorität dieser Welt steht über dem, was wir in der Bibel lesen.
Die kanaanäische Frau kann uns also Mut machen für unser eigenes Leben. Sie zeigt uns auf, was wirklich wichtig ist. Unser Glaube, selbst wenn wir das Gefühl haben, dass unserer Hoffnung ein Nein Gottes entgegensteht oder zumindest sein Schweigen. Wir sollen wie sie daran festhalten und immer und immer wieder bitten, selbst, wenn wir den Eindruck haben, dass wir alleingelassen sind und nicht gehört werden.
Und sie kann uns Mut machen auf die Gnade Gottes zu vertrauen. Jesus ist nicht nur für die eigenen Schäflein gekommen. Er ist für die ganze, große, weltweite Herde gekommen. Er ist gekommen, um alle zu retten. Wirklich alle. Die weißen, die schwarzen, die wolligen, die filzigen, die klugen, die eigensinnigen. Für alle. Auch für uns. Gleich wie wir sind. Seine Gnade gilt für alle. Nicht nur für einen ausgewählten Kreis.
Jesus rettet. Wo wir auf ihn sehen, da sehen wir unser Heil. Wo wir auf ihn sehen, da sehen wir unsere Hoffnung, unsere Zukunft. Allein er steht dafür, dass wir Gottes Kinder sind und bleiben, gleich, wie sehr die Welt auch erschüttert wird oder wie sehr unser eigenes Leben aus den Fugen gerät. Er steht für Frieden für alle Menschen. Wie es der anfangs beschriebene Jesus auch ausdrückt.
Im Lesen der Geschichte der kanaanäischen Frau können wir Mut fassen, dass das, was ihr gilt, auch uns gilt. Dass, wo wir hartnäckig bleiben und an Jesus festhalten, er auch uns zusagt, dass wir gerettet sind.
Hören wir in dieser Gewissheit nochmal auf die Worte der Heiligen Schrift (Mt 15,21-28):
„Und Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“
Amen
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