12. Sonntag nach Trinitatis (07. September 2014)

Autorin / Autor: Kirchenrätin i.R. Bärbel Hartmann, Neuffen [baerbel.hartmann@t-online.de]

1. Korinther 3, 9-15

Liebe Gemeinde,

herzlich begrüßen wir heute alle, die frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, hoffentlich erholt und neu gestärkt für die kommenden Wochen und Monate, wenn der Alltag wieder beginnt. Und wir begrüßen alle, die noch den Urlaub genießen können und eine Woche Ferien vor sich haben, ehe das neue Schuljahr beginnt.
Interessant wäre es, wenn wir heute Morgen miteinander Urlaubsbilder betrachten könnten, die Sie in den unterschiedlichen Urlaubsländern fotografiert und als Erinnerung mit nach Hause gebracht haben.
Bilder von Landschaften und Natur, Bilder von Städten und Bauwerken und Kunst. Bilder lassen Erlebtes erkennen und veranschaulichen, was sich abstrakt oft schwer beschreiben lässt.
Deshalb spricht auch die Bibel oft in Bildern, so wie Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth. Vom Ackerfeld, vom Bauherrn, vom Bauen und Baumaterial lesen wir.
In der Gemeinde von Korinth gab es verschiedene Gruppierungen und Strömungen. Sie benannten sich nach den verschiedenen Verkündigern, die in der Stadt wirkten. Das führte zu Missstimmungen und Konkurrenz. Es „menschelte“ unter den Christen damals – wie auch heute oft.
Paulus führt uns mit dem heutigen Predigtwort ins Zentrum von Kirche und Gemeinde, und damit auch in die Mitte unseres persönlichen Lebens und Glaubens.
Wir sind Gottes Mitarbeiter – ihr, die Gemeinde, seid der Ackerboden, das Land, das bebaut wird bzw. im andern Bild gesprochen, Gottes Bauwerk, entstanden aus seiner Idee, aus seinen Entwürfen und Planungen.

Paulus erinnert uns:

1. Gott wirkt, er bebaut und er erbaut
Gott selber bereitet den Boden, er sät und pflanzt, er jätet und düngt, er lässt wachsen und gedeihen, die Früchte reifen. Und Gott ist der Bauherr, er entwirft den Plan, weiß, was werden soll, und er hat seinen Auftrag für uns bereit.
Ob wir uns das bewusst machen? Gott möchte mit uns arbeiten, wir sind beteiligt bei seinem Tun. Er hat uns schon von Anfang an den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Er hat uns begabt mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Und er möchte, dass wir zusammenarbeiten. Mit-Arbeiter sind wir. Menschen, die am Werk Gottes beteiligt sind, die er berufen hat und begabt, mit ihm ans Werk zu gehen.
Die Betonung liegt auf „mit“ – er selber ist der Architekt und Bauherr. Er, Gott, hat uns berufen, er möchte uns dabei haben beim Bau seines Reiches, beteiligt auf vielfältige Weise, wenn es ums Aufbauen geht, auf dem festen Grund, der einzigartig gelegt ist.

Wenn wir in den nächsten Wochen ins neue Schuljahr und damit auch ins Herbstprogramm der Gemeinde starten, dann wird es gut sein, wenn wir zuvor innehalten und uns vergegenwärtigen: Alles, was wir uns vornehmen, was im Konfirmandenunterricht und in der Jugendarbeit geplant ist, im Hauskreis und in der Erwachsenenbildung, in Besuchsdiensten und Chören, im Kirchengemeinderat und CVJM-Vorstand – das gesamte Gemeinde - “Programm“ geschieht auf der einen Grundlage:

2. Jesus Christus ist das Fundament, der sichere Grund und Boden für all unser Tun und Lassen im Leben
„Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
Es war für mich beeindruckend als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal in New York war und in den Häuserschluchten zwischen den Wolkenkratzern mich bewegte. Großartig. Wie viel Kreativität, technisches Wissen, Planen, Berechnen, bergen diese Häuser mit ihren über 100 Stockwerken in sich. Wie viele Ingenieure, Wirtschaftsfachleute, Architekten, Banker, Firmen, Handwerker waren beim Bau beteiligt und bleiben auf Dauer mit im Einsatz? Beeindruckend, wie solche Bauwerke entstehen und das Bild und Leben der Metropole prägen können.
Noch beeindruckender aber wurde mir der Hintergrund: Man kann in Manhattan nur deshalb so hoch hinaufbauen, weil der Untergrund derart stabil ist, dass er nicht wankt und keine Erdbeben zu befürchten sind. Hätte Manhattan keinen solch festen Untergrund, dann wäre an derartiges Bauen nicht zu denken. Es wäre nicht zu verantworten.
Mir wurde Manhattan zum Bild fürs Bauen in unserem persönlichen Lebensentwurf und für alles, was wir in der Kirche und Christenheit entwickeln, aufbauen und hochziehen:
Haben wir Jesus Christus als den festen Grund und Boden, als das Fundament unseres Lebens? Oder planen und handeln wir nach eigenen Konzept und Lebensmuster?
Wenn ich es recht sehe, haben wir zurzeit nicht so sehr die Probleme, dass Gruppierungen um den rechten Glauben streiten wie damals in Korinth. Man lässt sich heute stehen und gesteht jedem seinen eigenen Weg zu. Jedoch wird die Frage nach der Motivation für unser Tun immer wieder neu zu stellen und zu überprüfen sein. Handeln wir als die Mit-Arbeiterinnen und Mit-Arbeiter Gottes? Ist es die Liebe Christi, die uns prägt und motiviert oder sind nicht oft Eigeninteressen, die Sehnsucht nach Ehre und Anerkennung, nach Wertschätzung und Geliebtwerden der Motor fürs Tun?
Wie schnell werden wir dabei abhängig von Menschen und ihren Meinungen. Andere sind eher ihrem Eigenwillen verhaftet, möchten ihren Kopf durchsetzen, mit den Eigeninteressen zum Zug kommen.
Gewiss gehört es zu den kostbaren Seiten des Lebens, wenn wir Vorbilder haben und Christen, die uns begleiten und denen wir vertrauen können. Wegweiser können Sie uns sein hin zu Christus, Leuchtkraft ausstrahlen aus seiner Gegenwart und uns stärken und ermuntern, damit wir gemeinsam mit Lust und Freude auf der Baustelle des Reiches Gottes wirken.
Doch letztlich treten alle Vorbilder und Weggefährten in den Hintergrund; wir sind gefragt und gerufen, unser Leben ganz persönlich mit unserer eigenen Geschichte, mit unseren Lebensumständen in der Gegenwart Gottes leben, nach seinem Entwurf und im Vertrauen auf ihn.
Was dies in den schwersten Stunden eines Lebens bedeuten kann, erfuhr ich im Gespräch mit meinem todkranken Mann. Ich fragte ihn: Hast du Angst vor dem Sterben. Seine Antwort: „Nein, du kennst doch meinen Denkspruch: Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Mit Jesus kann ich leben und sterben.“
Paulus erinnert in seinem Brief auch an diese Zeit am Ende des Lebens, am Ende der Welt. Er spricht vom Tag des Gerichts.
Gott wird unser Lebenswerk betrachten und beurteilen.

3. Was wird und was bleibt…
Qualitätssicherung spielt im Geschäftsleben eine große Rolle, Gewährleistung für gute und verlässliche Arbeit ist unverzichtbar im Bauwesen und im Gemeindebau. Was von dem, was wir tun und lassen, wird Bestand haben? Was wird sich als leer und scheinheilig, faul, lieblos, ich-betont, eigennützig, widersinnig herausstellen?
Wie wir unser Leben gestalten und wie wir uns verhalten wird die Feuerprobe des Gerichtes Gottes zu bestehen haben.
Fremd mag uns das anmuten. Stimmt es also doch nicht, dass wir gerechtfertigt werden, ohne Werke und ohne Verdienst?
Die Rechtfertigung bleibt. Sie hat ihren Ursprung nicht in darin, dass unsere Werke feuerfest sind, sondern ihre Ursache ist und bleibt, dass Jesus für uns einsteht. Er rettet und wir werden gerettet – nicht auf Grund unserer Werke, sondern mit und manchmal sogar trotz unserer Werke.
Edelmetalle und manche Mineralien sind feuerbeständig. Darauf kommt es an. Anderes wie Holz, Heu und Stroh lodert kurz auf und verbrennt, wird letztlich nichts nutzen, sondern der Mensch wird Schaden nehmen, Schmerzen leiden – wie schmerzlich mag es sein, am Ende zu sehen, was nicht gut war, wo wir uns falsch eingeschätzt und falsch verhalten haben, auf Wertloses gesetzt und Kostbares versäumt haben. Dennoch bleibt gewiss: Wer Jesus hat, hat das Leben! In ihm sind wir gerettet.
Was wir tun und wie wir leben, ist in Gottes Augen nicht gleichgültig. Wir tragen Verantwortung vor ihm, in unserem Amt und an unserem Platz in der Kirche und Gemeinde, in unserer Familie und bei der Arbeit. Wir haben Gaben und Aufgaben, wir haben Spielraum und Entscheidungsmöglichkeiten zu tun, was dran ist und dem Leben dient.
Lassen wir uns heute neu einladen, vor allem Planen und Handeln uns auf den Grund unseres Glaubens zu besinnen und uns in Jesus Christus verankern in allen Bereichen unseres Lebens, im Schönen und im Schweren.
Dass er nur ja auf diesem Christusgrund weiterbaue, darauf hat Paulus ein ungeheures Maß an Denkkraft, persönlichem Engagement, Leidenschaft, Hingabe, Unruhe, Mühsal und Kampf gewandt. Alle Theologie steht unter der Leitfrage: Wie bauen wir auf dem gelegten Grund, Christus, auf? Allen Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen sei diese Frage ans Herz gelegt: Bin ich noch, sind wir gemeinsam in Jesus Christus gegründet – denkend, redend, betend, feiernd, dienend, kämpfend, notfalls leidend? (Nach Gottfried Voigt: Die lebendigen Steine, 2. Aufl. Berlin 1989, S. 342).

Mit Paul Gerhardt können wir uns hinein in die neue Woche auf den Weg machen, mutig und tatkräftig, im Bitten und Anbeten:

Ist’s Werk von dir, so hilf zu Glück,
ist’s Menschentun, so treib zurück
und ändre meine Sinnen.
Was du nicht wirkst, das pflegt von selbst
in kurzem zu zerrinnen.

Dein soll sein aller Ruhm und Ehr,
ich will dein Tun je mehr und mehr
aus hocherfreuter Seelen
vor deinem Volk und aller Welt,
so lang ich leb, erzählen.
(EG 497, 8 und 14)

Amen.

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