Miserikordias Domini (04. Mai 2014)

Hebräer 13, 20 -21

Liebe Gemeinde,
bald ist es soweit: In zwei (beziehungsweise drei) Wochen werden wir hier Konfirmation feiern! Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, seid zur Zeit damit beschäftigt, eure Beiträge zu verfassen und eure Texte zu lernen. Auch ich werde übrigens für die Konfirmation etwas auswendig lernen. Nämlich die Worte, mit denen ihr gesegnet werdet. Und einer dieser Segenssprüche ist diese Stelle aus dem Hebräerbrief, die wir eben gehört haben. Manche von euch werden diese Worte also wieder hören, wenn ich ihnen die Hand auflege, zum Segen für ihr Leben im christlichen Glauben.

Ein Brief – zur Konfirmation!

Dieser Hebräerbrief ist eigentlich eine ausführliche Predigt. Vor bald zweitausend Jahren wurde sie an christliche Gemeinden im damaligen römischen Reich versandt. Und geschrieben, so könnte man sagen, wurde diese Predigt zur Konfirmation. Es sind Worte und Gedanken, die den Glauben an Jesus Christus verständlich machen, ihn bekennen und stärken wollen. Und genau das meint ja Konfirmation! Denn Konfirmation ist beides: ein einmaliges Ereignis, ein sehr besonderer, festlicher Tag im Leben – also das, was ihr bald feiern könnt! Aber Konfirmation ist auch ein Prozess, der ein Leben lang anhält. Die lebenslange Aufgabe, seinen Glauben zu leben und zu bekennen. Und das immer neue Zutrauen, die immer neue Entdeckung, dass man dazu von Gott den Mut, die Kraft, den Segen kriegt.
Wenn ich mich also mit meiner Predigt heute vor allem an euch Konfirmandinnen und Konfirmanden wende, dann sind trotzdem alle, die hier sind, gemeint und angesprochen. Alle, die wir hier sind, müssen „konfirmiert“ werden, immer wieder. Dazu dient die Predigt und das „Amen“, das, wer kann, am Ende dazu spricht. Dieses „Amen“, mit dem auch unsere Verse schließen. Dazu sprechen wir im Gottesdienst immer wieder das Glaubensbekenntnis miteinander, das ihr gelernt habt. Dazu dienen die Lieder, die Gebete, die Stille, der Segen, all das, mit dem ihr in den vergangenen Monaten vertraut geworden seid: All das dient zur Konfirmation, damit unser Glaube gestärkt wird, so dass wir ihn fröhlich und mutig bekennen können. Auch der Hebräerbrief will das: Mut machen und die Konsequenzen zeigen, die der Glaube mit sich bringt.
Unsere beiden Verse stehen am Ende dieses Schreibens. In der Antike versuchte man, am Schluss einer Rede, oder auch am Ende eines Briefes, alles bisher Gesagte oder Geschriebene noch einmal kurz und bündig zusammenzufassen. Deshalb wirken diese Worte so kompliziert. Sie sind so kompakt, dass sie beim ersten Hören kaum verstehbar sind. Deshalb lese ich sie noch einmal in einer anderen Übersetzung, die vielleicht etwas verständlicher ist:
„Gott ist es, der Frieden schenkt. Er hat den großen Hirten der Schafe, unseren Herrn Jesus, heraufgeführt aus dem Totenreich. Durch sein Blut hat er den ewigen Bund in Kraft gesetzt.
Gott macht euch fähig zu allem Guten, damit ihr tun könnt, was er will. Er schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus. Der regiert in Herrlichkeit für immer und ewig. Amen.“(Übersetzung nach der BasisBibel)
Viel einfacher ist das alles wohl auch beim zweiten Hören nicht. Ich will aber versuchen, es verständlicher zu machen.

Geballte Energie von Ostern her

Besonders schwierig ist für uns heute wahrscheinlich der erste dieser beiden Verse. Bei der Segnung zur Konfirmation ist nicht zufällig das meiste davon weggelassen. Da ist dann nur vom „Gott des Friedens“ die Rede. Aber für den, der diese Verse geschrieben hat, steckt hinter diesem Wort „Frieden“ eine ganze Menge, nämlich das, was wir zuletzt gefeiert und begangen haben: Jesu Tod und Auferstehung – Passion und Osterfest. Frieden mit Gott und unter uns gibt es für den Hebräerbrief nur, weil Gott selber mit uns Frieden geschlossen hat. Und zwar so, dass er in einem einzigen und einmaligen menschlichen Leben, nämlich im Leben und Sterben Jesu, seine ganze Liebe ausgelebt hat. In diesem einen Leben hat er sich vollkommen verausgabt für uns. Da hat er auch klar gemacht hat, ein für alle Mal, dass er auf unserer Seite ist. Dass nichts stärker ist als seine Liebe und Hingabe, nicht einmal der Tod. Und dass nur so auch wirklich Frieden entstehen und wachsen kann. Nicht mit Gewalt und Hass, sondern so, dass wir, wie Jesus auf seine Mitmenschen, aufeinander zugehen und einander verzeihen.
Früher fanden die Konfirmationen in unserer Gemeinde vor Ostern statt. Erst seit wenigen Jahren ist das anders. Und es ist richtig und gut so. Denn sonst wäre das Osterfest gar nicht Teil der Konfirmandenzeit. Dann hätten wir auch diejenigen unter euch, die bisher noch nicht getauft waren, nicht in der Osternacht taufen können. Ostern gehört zum Glauben. Denn ohne Ostern, ohne Jesu Auferweckung, gäbe es überhaupt keinen Glauben. Und natürlich auch keine Konfirmation im Glauben! Ohne Ostern wäre sinnlos, was wir predigen und tun. Deshalb feiern wir in diesen Wochen Konfirmation, mit der geballten Energie von Ostern her, mit der ganzen Lebensfreude und dem ganzen Mut eines neu erweckten, licht-gefluteten, göttlich begeisterten Lebens.
So ist das auch in unseren Versen gemeint. So will auch der, der hier schreibt, seine Leute konfirmieren. Deshalb packt er in seine abschließenden Segenswünsche noch einmal die Erinnerung hinein an Jesus, den Gott "aus dem Totenreich heraufgeführt" hat.

Alles beginnt mit Gott

Und jetzt zum zweiten Vers. Der wird bei der Segnung zur Konfirmation ungekürzt gesprochen. Und es sind diese Worte, die mich dann immer auch berühren und beschäftigen, im Vorfeld der Konfirmation und dann in diesem Moment des Handauflegens und Segnens. Denn da steht ihr dann da und startet unter Gottes Segen in euer Leben, mit all euren Fähigkeiten und Begabungen, mit euren Plänen und Träumen, euren Sehnsüchten und Wünschen. Wie viel in euch steckt – und dass ihr zu allerhand fähig seid! – das habe ich in den letzten Monaten gemerkt. Und nun soll das also zum Segen werden, nicht nur für euch, auch für andere. Und jetzt heißt es da:
„Gott mache euch fähig zu allem Guten, damit ihr tun könnt, was er will. Gott schaffe, was ihm gefällt. Christus regiert für immer und ewig.“
Hier fängt also alles mit Gott an: Gott macht uns fähig. Gott schafft. Christus regiert. Das ist für uns ungewöhnlich: Alles was geschieht, alles, was wir tun, von Gott her zu sehen, und von ihm aus den Anfang zu machen. Aber genau das ist es, was Konfirmation ausmacht, dass wir das sehen und begreifen: Ohne Gott geht gar nichts. Ohne seine Kräfte schaffen wir’s nicht. Ohne seinen Segen wird nichts Gutes aus dem, was wir tun. Ihr Konfirmanden und wir alle leben in einer Gesellschaft, die uns viel abverlangt. Ihr seht es an euren Eltern, ihr merkt es wohl auch in eurem eigenen Alltag: Unsere Leben ist dicht getaktet durch ein Stakkato von Leisten und Liefern. Da zu bestehen und nicht nur zu funktionieren; da etwas Kreatives und Gutes zu schaffen, und nicht nur die Dinge einfach zu erledigen; da auch für andere da zu sein und nicht nur auf sich selbst zu schauen – dazu braucht es eine Kraft, eine Liebe, eine Hoffnung, einen Segen, der nur von Gott kommen kann. Einer hat mal zu unseren Versen geschrieben: „Gott will keine todesstarren Marionetten, keine blutleeren Frömmler, keine gefühllosen Rechthaber. Gott braucht Menschen, die auf seinen Himmel warten und deshalb auf seiner Erde leben“ (Manfred Josuttis). Ich finde, er hat Recht! Dazu ist Konfirmation da, dazu werdet ihr konfirmiert: dass ihr zu denen gehört, die nicht einfach nur funktionieren, sondern ihr Gottvertrauen und ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Welt zum Guten zu verändern!

Fähig, zu vertrauen

Ein Letztes noch. Da heißt es ja: Gott macht uns dazu fähig, zu tun, was er will. Was will Gott eigentlich? Die 100-Punkte-Antwort am Ende des Konfirmationsunterrichts ist natürlich: die Zehn Gebote! Da ist gesagt, was gut ist und was wir tun sollen. Das ist natürlich richtig. Aber am Ende meiner Predigt möchte ich, so wie unsere Verse am Ende des Hebräerbriefes alles noch einmal bündeln, auch alles zu einem Gedanken zusammenfassen. Das, was Gott will, lässt sich, meine ich, auf eines, das Entscheidende reduzieren. Reduzieren im Sinn von Konzentrieren. So, wie ein guter Koch etwas auf seine Essenz reduziert, so dass das ganze Aroma und alle Nährstoffe darin enthalten sind.
Ich glaube, es geht einfach um Vertrauen. Das ist es, was Gott von uns will. Das ist es auch, wozu er und niemand anderes uns fähig machen kann. Das ist es, was nur er uns schenken, was nur er in uns schaffen kann. Und das ist es auch, womit wir dann tun können, was ihm gefällt. Das ist es, was uns in die Lage versetzt, Gutes zu tun, auch gegen Widerstände, manchmal auch gegen das, was andere von uns wollen, was sie denken oder tun. Das ist schließlich auch die Art, wie Gott regiert, in uns und dieser Welt: Durch das Vertrauen in ihn und seine Osterkraft, die stärker ist als alle dunklen Mächte. In solch einem Vertrauen und Glauben müssen wir konfirmiert werden, immer wieder. Zu diesem Vertrauen und Glauben werdet ihr euch bekennen, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, an eurem ganz besonderen Tag. Gott aber segne uns alle dazu, Tag um Tag!

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