Buß- und Bettag (22. November 2017)

Autor/in: Pfarrer Dr. Gerhard Schäberle-Koenigs, Bad Teinach-Zavelstein [Gerhard.Schaeberle-Koenigs@elkw.de]

Matthäus 12, 33 -37

Liebe Gemeinde,
manchmal rutscht es uns heraus, das Sprichwort: „Bei dem ist Hopfen und Malz verloren.“ Es ist wie ein endgültiges Urteil über einen Menschen, von dem nichts Gutes mehr zu erwarten ist. Gemeint ist ein durch und durch unfähiger Mensch. Oder ein von Grund auf böser Mensch. Ein hoffnungsloser Fall.

Wer weiß, vielleicht hätte Jesus diese Redewendung auch benützt, wenn die Kunst des Bierbrauens damals schon erfunden gewesen wäre. So aber bleibt er bei den Bäumen und ihren Früchten und sagt: ‚Ein guter Baum bringt gute Früchte. Wenn aber ein Baum faul ist, bringt er faule Früchte.‘

Dieses Bild auf Menschen angewendet, ist erschreckend. Wir würden gern zurückfragen: Jesus, meinst du das wirklich? Du hast doch Menschen, die längst abgeschrieben waren, wieder ins Leben gebracht? Du hast einen Menschen getroffen, der von einem furchtbaren Geist besessen war. Der konnte nicht sehen und nicht sprechen. Keiner hatte Hoffnung für ihn. Du aber hast ihn geheilt und diesen bösen Geist ausgetrieben.
Ein Gelähmter wurde dir vor die Füße gelegt. Und du hast nicht gesagt: ‚Bei dir ist Hopfen und Malz verloren-‘ Nein, du hast als Erstes zu ihm gesagt. „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Und danach noch: „Steh auf, nimm dein Bett und geh heim.“
In deinen Augen gibt’s doch gar keine hoffnungslosen Fälle!

Das ganze Leben sei BußeWir begehen heute den Buß- und Bettag. Dahinter steht die Hoffnung, dass Gott uns einen Ausweg eröffnet hat aus der ewigen Verdammnis. Bußtag zu feiern, wäre ein nichtiges Unterfangen, wenn wir nicht Grund zu solcher Hoffnung hätten.

Wir haben in diesem Jahr besonders an die Reformation vor 500 Jahren gedacht und uns wieder bewusst gemacht, welch große Entdeckung Martin Luther in seinem Leben machte. Ihm war klargeworden, was für ein unglaublich großes Wunder es ist, dass ein durch und durch sündiger Mensch von seiner Schuld befreit werden kann. Es hat ihn aufgeregt, und wütend gemacht, dass die Kirche dieses Freiwerden zur Billigware verkommen ließ. Ein bisschen Geld, und schon sind eine Menge Sünden erlassen. So locker geht’s nicht. Freiheit von den Sünden ist teuer. Sehr teuer.

So ist der Bußtag für uns ein symbolischer Hinweis darauf, dass niemand auf ewig abgeschrieben werden kann. An der Geburtsstunde der Reformation, als Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, da setzte er ganz an den Anfang den Satz: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: ‚Tut Busse‘, hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Busse sei.“

Entgegen unserem schnellen Urteil „Bei dem ist Hopf und Malz verloren“, sollen und können wir davon ausgehen, dass von Gott her für jeden Menschen ein Weg zurück ins Leben möglich ist. Jesus hat dies in aller Deutlichkeit gesagt: “Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." (Lk 19,10)

Vom guten SchatzJesus redet von einem Schatz, aus dem heraus wir uns bedienen können für das, was wir sagen, und wie wir miteinander umgehen. Genauer, er redet von zwei Schätzen, oder nennen wir’s Vorratsbeutel. Ein Vorratsbeutel mit Gutem, und halt auch einen Vorratsbeutel mit Schlechtem.
Es wird im Leben darauf ankommen, dass der gute Schatz immer noch einen Vorrat hat. So dass wir bei dem, was wir sagen oder tun und wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, nicht in den bösen Schatz greifen müssen. Denn dort ist all das drin, womit wir uns und unseren Nächsten das Leben schwermachen können. Wut und Hass. Worte, die weh tun, Verleumdungen und Lügen, böses Gerede, Schadenfreude.

Wie kann das aber zugehen, dass unser guter Schatz immer noch einen Vorrat hat, auf den wir zugreifen können?
Zuerst müssen wir uns immer wieder klarmachen: ein guter Grund ist gelegt. Von Anfang an. Gott sah an, was er alles gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Sie alle haben Anteil an diesem Sehr-Gut. Sie haben davon einen guten Anteil mitbekommen. Gott hat keinen Menschen böse geschaffen.

Wie kann man einen guten Schatz bewahren? Auf keinen Fall vergraben. Dann hat niemand etwas davon. Sondern pflegen, gebrauchen, anwenden. Der Schatz des Guten wird sich mehren, wenn wir ihn gebrauchen. Jedes gute Wort, das wir für einen Menschen haben, macht Freude. Auf beiden Seiten. Und es weckt die Lust, noch mehr davon zu verwenden. Jede gute Tat, die wir vollbringen, macht Lust, nach weiteren guten Taten im guten Schatz zu suchen und auch sie anzuwenden. Den guten Schatz bewahren, den Gott uns mitgegeben hat, heißt, ihn benützen. Er wird dabei nicht zu Ende gehen, sondern größer werden.

Vom Schatz des BösenÜbrigens, mit dem anderen Schatz, von dem Jesus redet, mit dem bösen Schatz ist es ebenso. Je mehr aus ihm verwendet wird, desto besser gedeiht er und wird größer und größer und hat immer noch Schlimmeres im Angebot.

Bei manchen Menschen sammelt sich im Schatz des Bösen viel an. Das liegt nur zum Teil an diesen Menschen selbst. Für manches können sie gar nichts. Dass sie schon als Säugling nicht geliebt wurden, das kann man ihnen nicht vorhalten. In so vielen menschlichen Lebensgeschichten gibt es Missbrauch. Manche wurden an Leib und Seele verletzt. Manche wurden missachtet, hintergangen, betrogen. Manche leben mit einem Sack voll enttäuschter Hoffnungen. All das kann in einem Menschen den Schatz des Bösen randvoll machen. Und aus ihm bedienen sie sich.

Vielleicht hat ihnen nie jemand gezeigt, was sie mit dem Schatz des Guten anfangen können. Vielleicht hat ihnen nie jemand gezeigt, wie sie damit umgehen könnten. Und so haben sie auch nie die Erfahrung gemacht, wieviel Freunde sie gewinnen können, wenn sie sich daraus bedienen. Und um wieviel leichter und fröhlicher ihr Leben werden könnte.

Immer wieder umkehren zur Quelle des guten SchatzesWir erinnern uns heute Abend besonders daran, dass das ganze Leben der Christen Buße sein soll. Buße heißt, immer wieder zurückkehren an die Quelle des guten Schatzes. Ihn wieder auffüllen lassen, wenn wir ihn zu wenig gepflegt haben. Gottes Liebe neu hören. Aufhorchen, wenn er sagt: Dir sind deine Sünden vergeben. Schaut den Schatz des Guten an, den ihr in euch habt. Greift rein. Gebraucht, was ihr darin findet.
Gott sagt nicht: Bei dir ist Hopfen und Malz verloren. Gott sagt: „Ich vergeb‘ dir.“ Das ist die Quelle des guten Schatzes. Amen

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