Konfirmation (06. Mai 2018)

Autorin / Autor: Pfarrer Christoph Schwethelm, Marktbreit-Gnodstadt [Pfarramt.Gnodstadt@elkb.de]

1. Korinther 3, 21 -23

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Das Kinderlied "Hänschen klein ging allein, in die weite Welt hinein" beschreibt das Ende der Kindheit und den Beginn des Erwachsenenlebens. Dafür muss Hänschen von zuhause fort.
Doch bevor Hänschen fortgeht, wird noch einmal kräftig gefeiert.
Ihr müsst zwar nicht fort, und trotzdem beginnt auch für euch der Weg ins Erwachsenenleben und ihr werdet zu diesem Anlass reich beschenkt.

Das schönste GeschenkSicher wird euch heute oder später irgendjemand mal fragen: "Was war denn dein schönstes Geschenk an der Konfirmation?" Und eure Antworten werden dann so unterschiedlich sein, wie ihr es seid und so unterschiedlich wie eure Eltern, Paten und Verwandten, die euch schöne Geschenke gemacht haben und vielleicht noch machen werden.
Ein neuer Computer, eine neue Playstation, eine Woche Reiterferien, eine Anzahlung auf den Führerschein, ein gemeinsamer Ausflug mit deinem Paten, ein neues Kleid,... was gibt es da nicht alles an schönen und wertvollen Geschenken. Um so manches Stück werden euch die Geschwister und Freunde vielleicht beneiden. Und lange werden euch die Geschenke an eure Konfirmation erinnern.

Doch bald kommen neue - oder sind‘s die alten Themen (?), die sich in den Vordergrund spielen, die euch begleiten auf dem Weg, weiter erwachsen zu werden:
Die Schule in unterschiedlicher Dringlichkeit kommt mit der Frage, welchen Abschluss ihr wollt. Und danach müsst ihr herausfinden, wohin ihr euch orientiert: Wo geht es hin für euch?
Welchen Beruf wollt ihr ergreifen, welchem Verein beitreten, mit welcher Clique wollt ihr in der Freizeit unterwegs sein?
Und wer wird euch als Freund zur Seite stehen, wer wird euch Vorbild sein, wenn es gilt, sich eine eigene Meinung zu bilden, einen Standpunkt zu suchen in den vielfältigen Fragen des Lebens?

Freikarte fürs LebenVielleicht noch unbemerkt bekommt ihr dafür mit der Konfirmation ein ganz großes Geschenk: so eine Art Freikarte fürs Leben.
Paulus erwähnt sie im 1. Korintherbrief. Sie kommt verpackt daher in alte Worte: „Alles gehört euch; Paulus, Apollos, Petrus, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.“

Ihr könnt euch das so vorstellen: Jesus nimmt euch mit sich auf einen großen Berg. Er zeigt euch alles, was im Leben vor euch liegt. Die ganze schöne Welt Gottes. Das ganze Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Und er sagt zu euch: Das alles gehört euch. Alle Wege, die Menschen da hindurch finden, dazu euer ganzes Leben, die Gegenwart und die Zukunft, selbst der Tod. Alles ist euer.
Ihr könnt jeden Weg in dieser Welt gehen, ihr könnt alles ausprobieren, es gibt keine Verbote. Alle Möglichkeiten stehen euch offen. Ihr dürft alles gestalten, ohne Angst. "Alles gehört euch."

Das ist eine großartige, befreiende Einladung, die Christinnen und Christen da von Paulus bekommen. Sie ist wie ein großer Freifahrtschein des Lebens.
Im Kinderlied heißt es fröhlich: „Hänschen klein ging allein, in die weite Welt hinein, Stock und Hut steht ihm gut, ist gar wohlgemut.“
So leicht und fröhlich und frei können wir Christinnen und Christen auch in die Welt hineingehen, die nach der Zusage des Paulus ja ganz uns gehört. Nur – dass wir nicht allein gehen, wie Hänschen, denn Christus geht mit uns: "Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende, bis ans Ende aller Tage."

Angst vor der FreiheitDoch die meisten Menschen erschrecken bei dem Gedanken, dass die ganze Welt uns gehört. Die große Freiheit macht vielen Angst. Die meisten brauchen irgendwelche Sicherheiten, bleiben lieber daheim oder sie suchen Regeln, Leitlinien, wieviel und was nun erlaubt und was verboten ist. Sie trauen sich nicht, die Welt mit all ihren unterschiedlichen Seiten zu erobern und zu erforschen. "Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr." So beschreibt das Lied das Los und die Angst der Zurückbleibenden.

Aus Angst vor der Freiheit kam es immer wieder auch zu Aufspaltungen in der Kirche, wie damals in Korinth zwischen Paulus und Apollos und Petrus. Denn immer gab es jemanden, der die Freiheit des Lebens im Namen des Glaubens einschränken wollte und jemanden, der an den eingeführten Regeln wieder rüttelte und sie aufbrach – so wie Martin Luther – um die Freiheit des Glaubens wiederzugewinnen. Doch meist dauerte es nicht lange, bis neue Regeln eingeführt wurden.

Eltern und andere Erwachsene haben oft Angst, wenn sie daran denken, was wohl aus ihren heranwachsenden Jugendlichen und was aus der Kirche mal werden wird, wenn die Alten gestorben sind.
Die meisten Jugendlichen teilen diese Ängste nicht. So entdecke ich auch in euch eine ganz große Gelassenheit, wenn es um die Zukunft geht. Sicher, ihr wisst um den Klimawandel und um die Flüchtlingsströme auf der Welt und um die vielen Kriege, um die Spannungen zwischen Arm und Reich. Ihr spürt das Leben, ihr merkt, wie schnell die Zeit vergeht, und ihr ahnt die Macht des Todes. Aber das bringt euch nicht aus dem Häuschen.
Zusammen mit euren Freunden, und dazu gehört weitestgehend auch eure Familie, geht ihr voll Vertrauen in die Zukunft. "Alles gehört euch." Und Jesus geht mit. Es gibt nur ein wichtiges Aber. Und das liegt in der Liebe Gottes in Jesus Christus begründet: „Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus.“

Das befreiende Aber: Ihr aber gehört ChristusChristus ist die Hand, die euch hält auf dem Weg in die Freiheit, er ist die Quelle des lebendigen Wassers für euch, er ist der Anfang aller Kraft, er ist der Ursprung der Liebe. Sein Geist will euch halten und leiten, seine Liebe soll die bestimmende Kraft eures Handelns sein. Und überall, in jedem Wind und jeder Welle mögen euch Zeichen seiner Gegenwart begegnen. Und immer, wenn ihr euch unsicher seid, dann denkt daran, dass ihr einmal vor ihm Rechenschaft darüber ablegen werdet, wie ihr mit eurer Freiheit umgegangen seid; und wie ihr es in dieser Welt gezeigt habt, dass ihr Kinder Gottes seid; Eigentum von Jesus Christus; dazu berufen, Licht und Salz in der Welt zu sein, und sie nach bestem Wissen und ohne Angst in Liebe zu gestalten. Vergesst es nie: Durch den Glauben gehört ihr Christus und ihr seid seine Botinnen und Boten in der Welt.

Heute empfangt ihr den Segen. Gott schenkt euch und uns damit alles. Alles dürft ihr tun, alles vertraut er uns an und sagt: Fürchtet euch nicht. Ich bin euer Vater im Himmel.
Und ihr seid seine Kinder und als seine Kinder gehört euch das ganze Erbe, die ganze Welt, Zeit und Ewigkeit.

Zwar nicht mehr klein, aber doch: Als Hänschen und Gretchen geht ihr heute hier aus der Kirche und ihr werdet noch viel lernen vom Leben, über das Leben und den Tod, über die Macht des Augenblicks und über verpasste Gelegenheiten. Ihr werdet lernen, wie schnell die Gegenwart zur Vergangenheit und wie schnell die Zukunft zur Gegenwart wird.
Alles hat euch Gott zu Füßen gelegt.
„Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Petrus, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.“

Wir dürfen alles nutzen, wir dürfen alles gestalten und formen. Und wir werden das Glück des Lebens erleben und den Schmerz des Todes, wir werden die Schmerzen des Lebens kennenlernen und die Befreiung des Todes.

Aber wenn dann irgendwann aus dem Hänschen ein Hans und aus dem Gretchen eine Margarete geworden ist, dann soll die Welt nicht kälter, sondern wärmer geworden sein. Dann sollen wir dankbar staunen über das große Geschenk, das Gott uns gemacht hat, dann soll unser Leben ein Zeugnis davon sein, dass wir dankbar mit den guten Gaben Gottes umgegangen sind und dass wir uns nie dafür geschämt haben, dass wir zu Christus gehören.

Und nach dem Ende aller Tage werdet ihr und werden wir zusammen mit Christus nur noch Gott gehören. Und die Freude im Himmel wird groß sein.

Amen.

Übersetzungen des Bibeltextes:
Luther 2017 Alles ist euer: 22 Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges, alles ist euer, 23 ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.
Hoffnung für alle: Euch gehört doch ohnehin alles: 22 Paulus, Apollos und Petrus, ja, die ganze Welt, das Leben wie der Tod, die Gegenwart wie die Zukunft – alles gehört euch! 23 Ihr selbst aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.
Neue Genfer: Alles gehört doch euch: 22 Paulus, Apollos und Petrus, die Welt, das Leben und der Tod, die Gegenwart und die Zukunft – alles gehört euch, 23 ihr selbst aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.
Menge: Alles gehört ja euch zu eigen: 22 Paulus ebensowohl wie Apollos und Kephas, die ganze Welt, das Leben ebensowohl wie der Tod, das Gegenwärtige wie das Zukünftige: alles gehört euch; 23 ihr aber gehört Christus an, und Christus gehört zu Gott.
Einheitsübersetzung: Denn alles gehört euch; 22 Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: Alles gehört euch; 23 ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.

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