Ostermontag (06. April 2026)
Lukas 24,36–45
Intention
Die Predigt soll Mut machen, den Worten Jesu zu vertrauen gegen alle Zweifel.
„Friede sei mit euch!“
Liebe Gemeinde, mit diesen Worten hat Jesus sich zu seinen Jüngern gestellt. „Friede sei mit euch!“ Ganz schlicht und einfach und doch Worte, die alles verändert haben.
Die Jünger dachten, Jesus sei tot. Sie hatten ihn leiden sehen, wie er geschlagen und verspottet und zuletzt gekreuzigt worden war. Sie hatten ihn sterben sehen. Da am Kreuz. Da war er kollabiert und am Ende war er tot. Man hat ihn abgenommen und sie haben gesehen, wie er ins Grab gelegt wurde und der Stein davor gewälzt wurde. Endgültig war das. Ihr Freund. Für immer fort. Tot. Die gemeinsame Geschichte an ein Ende gekommen. Es war erst wenige Tage her. Der Schock über das Geschehene stand noch im Vordergrund, die Trauer brach sich nur langsam Bahn. Die Anhänger Jesu tauschen sich aus, suchen beieinander Trost und Halt. Und dann erfahren sie plötzlich, dass Jesus doch leben soll. Dass zwei mit ihm gegessen haben, er das Brot gebrochen hat und sie ihn erkannt haben. Sie erzählen von der Begegnung und dass alles wahr ist. Dass Jesus auferstanden ist, so wie es vorhergesagt worden war. Und mitten in dieses Gespräch platzt Jesus hinein. Lukas erzählt es so (Lk 24,36–45):
„Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen.
Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.“
Jesus lebt
„Friede sei mit euch!“, sagt Jesus, und die Jünger erschrecken und fürchten sich. Die beiden Jünger, die Jesus in Emmaus getroffen hatten, haben es zwar erzählt, aber es war doch zu verwunderlich und zu unglaublich, dass Jesus plötzlich wieder da sein sollte. Alle hatten sie nun Angst.
Und Jesus ist zuerst einmal nicht der Liebe, Verständnisvolle, den wir uns so gern ausmalen, mit wallendem Haar, harmlosem Lächeln und weißem Gewand. Er drückt sein Unverständnis aus, versteht nicht, warum sie so erschrocken sind und der Angst Platz in ihrem Herzen lassen. Sie, seine Gefährten der letzten drei Jahre, sollten es doch besser wissen.
Tun sie aber nicht. Und deshalb wird Jesus konkret. Er zeigt seine Hände und Füße und bietet an, dass sie seine Wunden anfassen. Dass es fassbar, spürbar wird, was er durchlitten hat, und dass es fassbar, spürbar wird, dass er wirklich lebt. Dass er es wirklich ist und nicht nur ein Geist oder eine Einbildung.
Und weil sie es immer noch nicht fassen und glauben können, da bittet er sie um etwas zu essen. Geister können nicht essen. Hirngespinste können auch nichts essen. Also kann er beweisen, dass er es wirklich ist und er wirklich lebt, indem er etwas isst. Und so macht er es. Er isst Fisch. Wie schon oft auf ihrer gemeinsamen Wanderschaft in den letzten Jahren isst er Fisch. Sie können es sehen, begreifen, dass es wirklich Jesus ist, der da bei ihnen sitzt. Fast wie früher. Nur anders. Grundlegend anders. Es ist nicht der Jesus von vor fünf Tagen. Es ist der Auferstandene. Der, durch den die Verheißung erfüllt wurde. Der den Tod überwunden hat. Er ist es. Wahrhaftig. Leibhaftig. Er isst, er hat die Wunden der Kreuzigung an sich, er spricht – er lebt.
Die Schrift Israels sind erfüllt
Und er nutzt das Zusammensein, um die Jünger nochmal an das Wesentliche zu erinnern: „Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.“
Die Jünger haben es eigentlich schon oft gehört, denn sie waren ja mit Jesus unterwegs in den letzten Jahren. Aber es braucht noch einmal die Erklärung Jesu. Sie brauchen es, dass er ihnen die Schrift erklärt, damit sie sie verstehen. Obwohl sie immer mit ihm unterwegs waren, ständig seine Worte hörten, seine Wunder sahen und er ihnen immer wieder sagte, was passieren wird, haben sie es noch nicht begreifen können, nicht erfassen können, was da wirklich passiert.
Es ist ja auch unglaublich. Jesus ist der, den die Schrift angekündigt hat. Der Messias, der Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, der Weltretter, der dem Tod die Macht nimmt, der den Tod überwindet, der Christus, der Friede-Fürst.
Gemeinschaft, Wiederholung, Gottesdienst
„Friede sei mit euch!“, sagt er und ist mit diesen Worten der Einzige, der mit dem Sprechen dieser Worte auch verwirklicht, was er sagt. Er bringt den Frieden. Zu den Jüngern, die ihm zuhören und zu uns heute, die wir seine Worte lesen und hören.
Und auch, wenn die Jünger es direkt hätten begreifen können, öffnet er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstehen können.
Und das brauchen auch wir. Es genügt nicht, die Botschaft von Ostern einmal zu hören. Es genügt auch nicht, sie zwei- oder dreimal zu hören. Wir Menschen, wir brauchen die Wiederholung und die Bestätigung. Wir können heute nicht mehr seine Wunden berühren, ihn nicht mehr beim Essen beobachten, und er kann uns nicht leibhaftig die Schrift erklären.
Wir haben aber seine Worte, wie Lukas sie aufgeschrieben hat und die anderen Evangelisten. Wir haben Gottes Wort: in Jesaja, in den Psalmen und in weiteren Büchern der Bibel, in denen seine Verheißung festgehalten ist. Wir haben uns gegenseitig, die wir miteinander in den Schriften lesen, die wir uns das Evangelium zusprechen und uns erzählen von den Wundern, die wir selbst schon erfahren haben. Und wir haben den Heiligen Geist, der in uns wirkt und uns das Verständnis der Schriften aufschließt, der unsere Herzen berührt.
Und so ist es gut, dass wir heute am Ostermontag gemeinsam diesen Gottesdienst feiern. Dass wir auf das Evangelium Jesu Christi hören, dass wir uns zusprechen lassen, was Jesus auch den Jüngern zugesprochen hat:
„Friede sei mit euch!“
Denn diesen Frieden brauchen wir. Gegen unsere Zweifel, gegen den Hass der Welt, gegen alle Unwahrscheinlichkeit der Auferstehung Jesu. Weil Jesus wahrhaftig auferstanden ist. Und er den Tod überwunden hat. Ein für allemal.
„Friede sei mit euch!“ – dass uns diese Worte im Herz berühren und uns tief drinnen verändern, das schenke uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
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